{"id":1142,"date":"2025-05-22T10:00:00","date_gmt":"2025-05-22T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dorp.de\/?p=1142"},"modified":"2025-07-19T16:48:43","modified_gmt":"2025-07-19T14:48:43","slug":"radioaktiver-metallschrott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dorp.de\/en\/radioaktiver-metallschrott\/","title":{"rendered":"Radioaktiver Metallschrott"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Blick auf das Ph\u00e4nomen und die Schutzma\u00dfnahmen<\/h2>\n\n\n\n<p>Radioaktivit\u00e4t aus verschiedenen nat\u00fcrlichen Quellen ist allgegenw\u00e4rtig. Tritt sie jedoch in gr\u00f6\u00dferem Umfang auf oder kommen k\u00fcnstliche Strahlungsquellen hinzu, wird es gef\u00e4hrlich. Der Metallkreislauf nimmt hierbei eine besondere Rolle ein: Bereits mehrfach kam es durch illegale Entsorgungen zu unerkannten Beimischungen radioaktiven Materials beim Recycling.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur Deutschland betreibt gro\u00dfen Aufwand, um diese Gefahr auf ein Minimum zu reduzieren. Denn es handelt es sich dabei um eine l\u00e4nder\u00fcbergreifende Problematik, die durch den globalen Schrotthandel \u00fcberhaupt erst entsteht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Radioaktivit\u00e4t \u2013 unsichtbare Gefahr<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Atomkerne verschiedener Elemente sind instabil. Deshalb wandeln sie sich ohne Einwirkung von au\u00dfen in andere Atomkerne um. Bei dieser Umwandlung wird sogenannte&nbsp;<strong>ionisierende Strahlung<\/strong>&nbsp;freigesetzt. Dabei handelt es sich um elektromagnetische oder Teilchenstrahlung, die durch ihren Energiereichtum in der Lage ist, Elektronen aus anderen Atomen oder Molek\u00fclen zu entfernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die radioaktive Strahlung kann aus zwei Quellen stammen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Nat\u00fcrliche Radioaktivit\u00e4t:<\/strong>&nbsp;Hierbei handelt es sich um Radionuklide, die in den Fr\u00fchtagen der Erde entstanden sind oder die aufgrund kosmischer Strahlung in der Atmosph\u00e4re gebildet werden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Anthropogene Radioaktivit\u00e4t (durch Menschen verursacht):<\/strong>&nbsp;Solche Radionuklide entstammen verschiedener von Menschen initiierten Prozessen. In diesen Bereich fallen sowohl k\u00fcnstlich erzeugte Nuklide als auch nat\u00fcrliche, die durch T\u00e4tigkeiten (z. B. Bergbau) in gr\u00f6\u00dferen Mengen freigesetzt wurden.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-2-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1244\" srcset=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-2-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-2-300x200.jpeg 300w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-2-768x512.jpeg 768w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-2-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-2.jpeg 1620w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Alle Formen von ionisierender Strahlung (Alpha-, Beta-, Gamma-, R\u00f6ntgen- und Neutronenstrahlung) wirken durch den Energiereichtum der involvierten Atome bzw. chemischen Elemente. Indem diese Elektronen aus anderen Atomen herausl\u00f6sen, k\u00f6nnen sie chemische Reaktionen verursachen, die wiederum Zell- und Erbgutsch\u00e4den zur Folge haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Langfristig kann Strahlung (insbesondere geringerer Intensit\u00e4t) Krebs erzeugen. Der Einfluss st\u00e4rkerer Strahlung f\u00fchrt durch die Sch\u00e4digung gro\u00dfer Zellmengen zu sofortigen Reaktionen wie etwa Knochenmark- und Schleimhautsch\u00e4digung bis hin zur Zerst\u00f6rung von Organen. Solche Folgen sind zusammengefasst unter dem Begriff akute Strahlenkrankheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<strong>Strahlung<\/strong>&nbsp;ist zudem f\u00fcr Lebewesen nach derzeitigem Wissensstand&nbsp;<strong>nicht wahrnehmbar<\/strong>. Eine<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>generelle Detektion von Strahlung und ihrer Intensit\u00e4t,<\/li>\n\n\n\n<li>die Kategorisierung nach Strahlungsart und<\/li>\n\n\n\n<li>die Kategorisierung nach dem vorhandenen Nuklid<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>kann nur durch technische Ma\u00dfnahmen geschehen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group digression-box\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Exkurs: Alpha-, Beta- und Gammastrahlen<\/h3>\n\n\n\n<p>Diese drei bedeutenden Strahlungsarten unterscheiden sich insbesondere durch ihr Durchdringungspotenzial und in der Folge die davon ausgehenden Gefahren.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Alphastrahlung<\/strong>&nbsp;kann bereits durch Papier und Pappe wirksam abgeschirmt werden und durchdringt die Haut nicht.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Betastrahlung<\/strong>&nbsp;ist in der Lage bereits die oberen Hautschichten zu penetrieren und Strahlenverbrennungen zu verursachen. Beide Strahlungen werden besonders gef\u00e4hrlich, wenn es zu einer Aufnahme in den K\u00f6rper kommt \u2013 etwa durch Einatmen belasteter St\u00e4ube.<\/li>\n\n\n\n<li>\u00c4hnlich wie die verwandte R\u00f6ntgenstrahlung weist&nbsp;<strong>Gammastrahlung<\/strong>&nbsp;eine erheblich gr\u00f6\u00dfere Eindringtiefe auf. Sie ist deshalb in jeglicher Hinsicht problematischer und gef\u00e4hrlicher. Besonders kritisch ist die Neigung, durch Kontakt mit Materie oder Gewebe sogenannte Sekund\u00e4rstrahlungen zu erzeugen, etwa R\u00f6ntgenstrahlung.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">So gelangen radioaktive Bestandteile in den Metallkreislauf<\/h2>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<strong>Herstellung neuer Metallwerkstoffe<\/strong>&nbsp;basiert zu einem erheblichen Teil auf dem&nbsp;<strong>Recycling von Altmetallen<\/strong>, respektive entsprechender Legierungsbestandteilen. Was zun\u00e4chst einen Vorteil darstellt, der f\u00fcr die hohen Recycling-Raten hauptverantwortlich ist, erm\u00f6glicht ebenso die \u201eL\u00fccke\u201c durch die radioaktive Bestandteile in den Metallkreislauf gelangen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Folgende Arten von Schrott werden beim Metallrecycling verwendet:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Eigenschrott<\/strong>&nbsp;bekannter Zusammensetzung, der direkt in den Metallwerken anf\u00e4llt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Neuschrott&nbsp;<\/strong>aus der metallverarbeitenden Industrie. Seine Zusammensetzung ist je nach Quelle weniger transparent.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Altschrott<\/strong>&nbsp;aus unterschiedlichsten Sammelstellen und Verwertungsbetrieben. Er ist in Sachen Radioaktivit\u00e4t die gr\u00f6\u00dfte Gefahrenquelle.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Prinzipiell ist zudem zu unterscheiden zwischen Schrott, an dem strahlende Bestandteile anhaften und solchem, der selbst radioaktiv ist bzw. gemacht wurde (u. a. durch Neutronenbestrahlung).<\/p>\n\n\n\n<p>Gelangen strahlende Schrottbestandteile in die Metallschmelze, werden sie darin unkontrolliert verteilt. Von den daraus hergestellten neuen Produkten kann dann eine mitunter immense Strahlengefahr ausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Risiko entsteht dabei durch&nbsp;<strong>illegale Entsorgungen<\/strong>&nbsp;sowie&nbsp;<strong>Nachl\u00e4ssigkeit bei der Handhabung<\/strong>. Unter anderem die deutsche Stahlindustrie hat durch eine umfassende \u00dcberwachung der Metallquellen Strukturen System geschaffen, um unerw\u00fcnschte radioaktive Beimischungen wirksam zu unterbinden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"640\" src=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-3-1024x640.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1242\" srcset=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-3-1024x640.jpeg 1024w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-3-300x188.jpeg 300w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-3-768x480.jpeg 768w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-3-1536x961.jpeg 1536w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-3.jpeg 1727w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>In der Vergangenheit zeigte sich jedoch bereits mehrfach, dass kontaminierte Metall- und Schrottprodukte insbesondere aus Staaten mit weniger restriktiver \u00dcberwachung stammen. So wurden 2009 an mehreren Standorten in Deutschland&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/giftmuell-import-strahlenschrott-wurde-ueber-ganz-deutschland-verteilt-a-607937.html\">\u00fcber 150 Tonnen von mit Kobalt 60 verunreinigten St\u00e4hlen entdeckt<\/a>. Als Quelle wurden indische Stahlwerke ausgemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Auffinden der kontaminierten Materialien zeigt, wie engmaschig die \u00dcberwachung in deutschen Werken, Schrottpl\u00e4tzen, H\u00e4fen usw. aufgestellt ist. \u00c4hnlich sieht es in vielen anderen Staaten aus. Es handelt sich daher heutzutage eher um ein Problem in aufstrebenden und geringer entwickelten Nationen. Wie einige F\u00e4lle zeigen, kommt es durch den globalen Schrotthandel immer wieder zu Herausforderungen, die lediglich durch die hiesige Kontrolle nicht zu gr\u00f6\u00dferen Problemen mit kontaminiertem Material f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Woher die radioaktiven Bestandteile stammen<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Intransparenz<\/strong>&nbsp;ist eine der bedeutendsten Ursachen f\u00fcr derartige Metallverunreinigungen. Das gilt \u00fcber die gesamte Kette zwischen Herstellung und Entsorgung radioaktiver Materialien. Im Normalfall gelangen solche gef\u00e4hrlichen Stoffe gar nicht erst in den regul\u00e4ren Metallkreislauf, weil sie korrekt und gesondert behandelt werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-4-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1240\" srcset=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-4-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-4-300x200.jpeg 300w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-4-768x512.jpeg 768w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-4-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-4.jpeg 1620w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Radioaktive Strahlung ist in zahlreichen Bereichen von Industrie, Forschung und Medizin unverzichtbar bzw. unvermeidbar. So gibt es etwa in Deutschland laut Bundesamt f\u00fcr Strahlenschutz zirka 100.000 umschlossene radioaktive Strahlungsquellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei handelt es sich beispielsweise um Pr\u00fcfstrahler, die etwa zur Kalibrierung von Messger\u00e4ten genutzt werden. Des Weiteren finden sich radioaktive Substanzen in Strahlentherapie- oder Sterilisationsger\u00e4ten. Was die generellen Quellen von strahlenden Verunreinigungen anbelangt, lassen sich folgende Unterscheidungen machen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>medizinisch-technische Strahlenquellen:<\/strong>&nbsp;Dabei handelt es sich fast ausschlie\u00dflich um radioaktive Strahlungsquellen, die mit einer sicheren H\u00fclle umschlossenen sind. Sie sind in sich radioaktiv und das meist sehr stark.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Schrott aus kerntechnischen Anlagen:<\/strong>&nbsp;Diese Hinterlassenschaften stammen zum Beispiel aus stillgelegten Atomreaktoren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>industrielle Abf\u00e4lle:<\/strong>&nbsp;Sie kommen insbesondere im Bergbau sowie der Erd\u00f6l- und Erdgasindustrie vor. Hier werden h\u00e4ufig gr\u00f6\u00dfere Mengen an nat\u00fcrlich strahlendem Material aus dem Untergrund herausgel\u00f6st und dies kann dabei beispielsweise Rohrleitungen kontaminieren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>milit\u00e4rischer Schrott:<\/strong>&nbsp;Bei diesen Materialien treten sehr unterschiedliche Verunreinigungen auf. Beispielsweise Thorium-Magnesium-Legierungen aus der Triebwerkstechnik oder Sp\u00fcrger\u00e4te.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die gro\u00dfe Schwierigkeit: Gelangt strahlendes Material unentdeckt in den Recycling-Kreislauf, k\u00f6nnen die Folgen sehr weitreichend sein. Denn nicht nur strahlen anschlie\u00dfend die Produkte der Schmelze, sondern es kann zu Belastungen f\u00fcr alle beteiligten Personen, Maschinen und sonstige Systeme kommen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einige bekannt gewordene Vorf\u00e4lle<\/h2>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich, wie verschiedene Strahlungsarten und -intensit\u00e4ten existieren, gibt es im Metallkreislauf&nbsp;<strong>unterschiedliche Schweregrade bez\u00fcglich der Kontaminierung<\/strong>. Das Entdecken verstrahlter Stoffe auf einem Schrottplatz w\u00e4re zwar kritisch, aber durch eine sich anschlie\u00dfende Kette von korrekten Entsorgungsma\u00dfnahmen ohne Restrisiken gut zu handhaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitreichende kritische Folgen entstehen hingegen dann, wenn strahlendes Material unerkannt eingeschmolzen wird \u2013 und dies ist in der Vergangenheit immer wieder passiert: In einer 2006 ver\u00f6ffentlichten&nbsp;<a href=\"https:\/\/publikationen.dguv.de\/regelwerk\/dguv-informationen\/476\/ueberwachung-von-metallschrott-auf-radioaktive-bestandteile\">Informationsschrift<\/a>&nbsp;zu dem Thema listete die Vereinigung der Metall-Berufsgenossenschaften nicht weniger als 48 dieser Vorf\u00e4lle\u201c zwischen den Jahren 1982 und 2000. Deutschland war dabei kein einziges Mal beteiligt, was f\u00fcr den Erfolg hiesiger Ma\u00dfnahmen spricht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Ciudad Ju\u00e1rez (1983 &amp; 1984)<\/h3>\n\n\n\n<p>Ende 1983 gelangte in Nord-Mexiko ein ausgemustertes medizinisches Strahlentherapieger\u00e4t in die H\u00e4nde von Schrottsammlern. Dabei l\u00e4sst sich nicht exakt nachvollziehen, ob das Ger\u00e4t an die Sammler verkauft wurde oder \u00fcber einen Diebstahl in deren Besitz geriet.<\/p>\n\n\n\n<p>In Unkenntnis der Gefahr \u00f6ffneten die Abfallsammler den Schutzbeh\u00e4lter des Ger\u00e4ts beim Zerlegen. Das sorgte daf\u00fcr, dass mehrere Tausend kleine Kugeln aus Kobalt 60 (eine starke Gammastrahlungsquelle) auf dem Schrottplatz verteilt wurden. Zusammen mit anderen Altmetallen wurden die Kugeln in verschiedenen Betrieben eingeschmolzen und weiterverarbeitet, darunter zu Bewehrungsstahl, Elektromotoren und M\u00f6belbauteilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu einer Aufdeckung kam es erst, als ein mit neuem Bewehrungsstahl beladener Lkw das US-amerikanische Los Alamos National Laboratory (insbesondere zust\u00e4ndig f\u00fcr Atomwaffenforschung) passierte und dort aus einiger Distanz Messger\u00e4te aktivierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere Tausend Tonnen kontaminierter Produkte konnten in den Folgemonaten aufgesp\u00fcrt werden, ein Teil lie\u00df sich jedoch nicht zur\u00fcckverfolgen. Hunderte Geb\u00e4ude und Z\u00e4une mussten entsorgt und mehrere Fabriken dekontaminiert werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Taiwan (1982)<\/h3>\n\n\n\n<p>Bei diesem Vorfall wurde ebenfalls eine Kobalt-60-Quelle zun\u00e4chst unbemerkt in Strahlschrott eingeschmolzen. Daraus wurde prim\u00e4r Bewehrungsstahl f\u00fcr den Hochbau hergestellt. Sp\u00e4ter wurde bekannt, dass der Stahl beim Bau von \u00fcber 2.000 Wohneinheiten und Gesch\u00e4fte Verwendung fand.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorfall blieb bis 1992 unbemerkt und die Aufdeckung ist einem Zufall zu verdanken: Ein in einer der Wohnungen lebender Mann hatte einen Geigerz\u00e4hler nach Hause gebracht, um mehr \u00fcber das beruflich genutzte Ger\u00e4t zu lernen. Als es ungew\u00f6hnlich hohe Werte anzeigte, informierte er die Beh\u00f6rden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Los Barrios (1998)<\/h3>\n\n\n\n<p>In einem s\u00fcdspanischen Recycling-Werk versagten gleich mehrere Kontrollmechanismen. Dadurch konnte eine C\u00e4sium-137-Quelle, ein Beta- und Gammastrahler, auf das Firmengel\u00e4nde und in die Schmelze gelangen. Es entstand eine strahlende Dampfwolke, auf die die Detektoren in den Abluftschornsteinen jedoch ebenfalls nicht reagierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst, als die Wolke in Frankreich, Italien, Schweiz, Deutschland und \u00d6sterreich ankam, wurde der Vorfall aufgedeckt. Obwohl die Aktivit\u00e4t teilweise das Tausendfache der nat\u00fcrlichen Hintergrundstrahlung betrug, war sie \u2013 radiologisch betrachtet \u2013 vergleichsweise unbedenklich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Neu Delhi (2010)<\/h3>\n\n\n\n<p>In einem \u00f6rtlichen Krankenhaus verstarb ein Mann, nachdem er aufgrund offensichtlicher akuter Strahlenkrankheit behandelt werden musste. Die anschlie\u00dfenden Ermittlungen deckten eine massive Verkettung von Fehlverhalten auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Sechs Professoren der Delhi Universit\u00e4t hatten einen Strahlungsger\u00e4t voller Kobalt 60, das sie zu Forschungszwecken genutzt hatten, als herk\u00f6mmlichen Metallschrott entsorgt. In der Folge kamen der verstorbene Mann sowie mindestens sechs andere Personen mit der Gammastrahlung in Kontakt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Genua (2010)<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei einer Routinekontrolle im Hafen von Genua schlugen die Messger\u00e4te bei einem aus Saudi-Arabien stammenden Container Alarm. Den Papieren zufolge enthielt der Beh\u00e4lter 23 Tonnen Kupferschrott. Die Ger\u00e4te zeigten jedoch eine enorme Gammastrahlung an \u2013 ausreichend, um in nur einer Stunde bereits akute Strahlenkrankheitssymptome auszul\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Jahr lang hielten die Beh\u00f6rden den Container in Quarant\u00e4ne, bevor er mit Robotern zerlegt wurde. Dabei fand man einen unterarmlangen, bleistiftdicken Stab aus Kobalt 60. Die Quelle konnte bis heute nicht ermittelt werden. Vermutungen legen die f\u00e4lschliche Entsorgung eines Lebensmittel-Bestrahlers nahe.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was unternehmen Metallbranche und Beh\u00f6rden?<\/h2>\n\n\n\n<p>Zwar vergeht kaum ein Jahr ohne Entdeckungen von Vorf\u00e4llen \u2013 auch in Deutschland und anderen europ\u00e4ischen Staaten. Immer werden diese Strahlenquellen jedoch aufgesp\u00fcrt, bevor sie in den Metallkreislauf gelangen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das liegt daran, dass die meisten<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>H\u00e4fen (insb. \u00dcberseeh\u00e4fen),<\/li>\n\n\n\n<li>relevanten logistischen Knotenpunkte,<\/li>\n\n\n\n<li>M\u00fcll- und Schrottsammelstellen sowie<\/li>\n\n\n\n<li>Betriebe des Metall-Recyclings<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>mit&nbsp;<strong>Strahlenmesseinrichtungen<\/strong>&nbsp;ausgestattet sind. Bei der Zulieferung m\u00fcssen die Transporter dann etwa Portalmessger\u00e4te im Bereich der Ein- und Ausfahrten passieren. Es ist also vielfach nicht m\u00f6glich, dass Strahlenquellen unbemerkt auf das Gel\u00e4nde oder gar in einen Schmelzofen gelangen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"716\" src=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-5-1024x716.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1238\" srcset=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-5-1024x716.jpeg 1024w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-5-300x210.jpeg 300w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-5-768x537.jpeg 768w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-5-1536x1074.jpeg 1536w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/84852-Bild-5.jpeg 1545w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich sieht es in den meisten anderen hochentwickelten Industrienationen aus. Daher ist die H\u00e4ufigkeit gravierender Unf\u00e4lle im Zusammenhang mit Metallschrott sehr gering. Ein Restrisiko besteht deshalb haupts\u00e4chlich dort, wo\u00a0<strong>Produkte aus recycelten, belasteten Metallen aus anderen Staaten importiert<\/strong>\u00a0werden k\u00f6nnen, aber dabei keine entsprechenden Messstationen oder Strahlungsdetektoren passieren \u2013 beispielsweise auf dem Landweg.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bildquellen:<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bild 1: stock.adobe.com \u00a9&nbsp;<a href=\"https:\/\/stock.adobe.com\/de\/images\/containers-from-a-height-with-different-types-of-metal-sorting-for-remelting-metal-products\/470730369\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vladyslav<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bild 2: stock.adobe.com \u00a9&nbsp;<a href=\"https:\/\/stock.adobe.com\/de\/images\/geiger-counter\/1137026\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rade Lukovic<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bild 3: stock.adobe.com \u00a9&nbsp;<a href=\"https:\/\/stock.adobe.com\/de\/images\/worker-controlling-metal-melting-in-furnaces-workers-operates-at-the-metallurgical-plant-the-liquid-metal-is-poured-into-molds\/148419969?prev_url=detail\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Panksvatouny<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bild 4: stock.adobe.com \u00a9&nbsp;<a href=\"https:\/\/stock.adobe.com\/de\/images\/details-of-ion-accelerator-with-radiation-warning-sign\/57297758\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">perfectmatch<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bild 5: stock.adobe.com \u00a9&nbsp;<a href=\"https:\/\/stock.adobe.com\/de\/images\/x-ray-cargo\/178179936?prev_url=detail\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">cat027<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Radioaktive Stoffe im Metallrecycling: Illegale Entsorgung und globaler Schrotthandel machen daraus eine weltweite Gefahr. Hohe Schutzstandards sorgen f\u00fcr Sicherheit.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1246,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1142","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dorp.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1142","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dorp.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dorp.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dorp.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dorp.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1142"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/dorp.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1142\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1339,"href":"https:\/\/dorp.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1142\/revisions\/1339"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dorp.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1246"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dorp.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1142"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dorp.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1142"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dorp.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}