{"id":1123,"date":"2024-10-31T10:00:00","date_gmt":"2024-10-31T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dorp.de\/?p=1123"},"modified":"2025-07-19T16:50:52","modified_gmt":"2025-07-19T14:50:52","slug":"karosserieproduktion-im-mega-und-gigacasting","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dorp.de\/en\/karosserieproduktion-im-mega-und-gigacasting\/","title":{"rendered":"Karosserieproduktion im Mega- und Gigacasting"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vor- und Nachteile der Produktionsmethode<\/h2>\n\n\n\n<p>Die st\u00e4ndige Suche nach neuen Rationalisierungsm\u00f6glichkeiten geh\u00f6rt zum Wesenskern des Automobilbaus, seit Henry Ford 1913 die Flie\u00dfbandfertigung ma\u00dfgeblich revolutionierte. Gut 110 Jahre sp\u00e4ter schicken sich verschiedene Hersteller an, mit Mega- bzw. Gigacasting ein weiteres neues Zeitalter einzul\u00e4uten.<\/p>\n\n\n\n<p>Statt gestanzter, gepresster und&nbsp;<a href=\"https:\/\/dorp.de\/schweissen-und-loeten\/\">verschwei\u00dfter Blechteile<\/a>&nbsp;werden hierbei ganze Baugruppen bis hinauf zu vollst\u00e4ndigen Karosserie-Skeletten im&nbsp;<a href=\"https:\/\/dorp.de\/metallverarbeitung-giessen\/\">Druckgussverfahren<\/a>&nbsp;produziert. Eine wegweisende, technisch extrem anspruchsvolle Methode mit vielen St\u00e4rken \u2013 allerdings nicht frei von Kritiken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Viel Blech, noch mehr Kraft: Der klassische Karosseriebau<\/h2>\n\n\n\n<p>Um zu verstehen, wie revolution\u00e4r Megacasting ist, ist es n\u00f6tig, auf die seit \u00fcber 100 Jahren etablierte, immer wieder rationalisierte und technisierte klassische Produktionsweise einzugehen. Diese l\u00e4uft schematisch folgenderma\u00dfen ab:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Am Anfang stehen Coils bestehend aus zuvor bereits gewalzten, w\u00e4rmebehandelten und beschichteten Blechen \u2013 typischerweise Stahl, seit einigen Jahrzehnten zunehmend auch&nbsp;<a href=\"https:\/\/dorp.de\/werkstoff-aluminium\/\">Aluminium<\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li>Diese Bleche werden maschinell passend ausgestanzt und anschlie\u00dfend mithilfe&nbsp;<a href=\"https:\/\/dorp.de\/moeglichkeiten-der-blechumformung-im-ueberblick\/\">diverser Umformverfahren<\/a>&nbsp;dreidimensional geformt.<\/li>\n\n\n\n<li>Fertigungsroboter verschwei\u00dfen, verkleben, verl\u00f6ten usw. die Formteile zu Baugruppen und diese wiederum miteinander. Es entsteht die selbsttragende oder auf einem Rahmen sitzende Rohkarosse (genannt Body-in-White, BWI). An ihr werden nach der Lackierung alle weiteren (Karosserie-)Teile verschraubt oder verklebt. Etwa Kotfl\u00fcgel, T\u00fcren etc.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-2-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1161\" srcset=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-2-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-2-300x200.jpeg 300w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-2-768x512.jpeg 768w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-2-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-2.jpeg 1620w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Zu den gr\u00f6\u00dften Revolutionen dieser Fertigung geh\u00f6ren das elektrische Widerstandspunktschwei\u00dfen (ab ca. den 1920ern) die selbsttragende Monocoque-Karosserie (gro\u00dfma\u00dfst\u00e4bliche Verbreitung ab den 1950ern), das Verschwei\u00dfen per Industrieroboter (seit den 1980ern) sowie der Einsatz alternativer Materialien wie Aluminium, Kunststoffen oder Verbundwerkstoffen (ebenfalls seit den 1980ern).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th>St\u00e4rken<\/th><th>Schw\u00e4chen<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>einfache \u00c4nderung einzelner Teile ohne St\u00f6rung der laufenden Produktion<\/td><td>viele Prozessschritte n\u00f6tig, um aus vielen Teilen ein gro\u00dfes Ganzes anzufertigen<\/td><\/tr><tr><td>Walz- und Formbleche sind eine seit langem etablierte, beherrschte Methode<\/td><td>bei Unf\u00e4llen besondere Belastung der Verbindungspunkte als \u201eFlaschenh\u00e4lse\u201c*<\/td><\/tr><tr><td>erleichterte Unfallreparatur durch Austausch\/R\u00fcckformen besch\u00e4digter Teile<\/td><td>durch das Gesamtkonzept vergleichsweise kostspielig<\/td><\/tr><tr><td>kleinteiligere Kraftverteilung bei Unf\u00e4llen und gute Verformbarkeit ohne Bruch*<\/td><td>Kontaktpunkte sind bei Stahlblech anf\u00e4llig f\u00fcr Rost-Herde<\/td><\/tr><tr><td>hohe m\u00f6gliche Variantenvielfalt zu geringen Kosten<\/td><td><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class=\"wp-element-caption\">St\u00e4rken und Schw\u00e4chen des klassischen Karosseriebaus<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>* Bei einem Unfall werden die Kr\u00e4fte einer klassischen Karosserie anders in die Einzelteile eingeleitet als bei einer gegossenen. Das macht es einerseits schwieriger, die strukturelle Integrit\u00e4t, insbesondere der Fahrgastzelle, zu erhalten. Andererseits ist es durch die simplen Punktschwei\u00df-, Falz- und Klebeverbindungen recht einfach, zeitsparend und kosteng\u00fcnstig, die besch\u00e4digten Teile passgenau herauszutrennen und durch Neuteile zu ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Megacasting: Das Matchbox-Prinzip im Ma\u00dfstab 1:1<\/h2>\n\n\n\n<p>Komplexe Teile zu gie\u00dfen, ist auch im Fahrzeugbau nichts Neues. So werden beispielsweise Motorbl\u00f6cke und Getriebegeh\u00e4use faktisch seit den Anf\u00e4ngen nicht anders hergestellt. Diese Herangehensweise fand jedoch bei insbesondere tragenden Karosseriebauteilen ihre Grenzen \u2013 und wurde nur im Spielzeugbereich genutzt, um die seit Jahrzehnten bekannten Zinkdruckguss-Modellautos herzustellen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-3-1024x684.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1159\" srcset=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-3-1024x684.jpeg 1024w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-3-300x200.jpeg 300w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-3-768x513.jpeg 768w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-3-1536x1025.jpeg 1536w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-3.jpeg 1618w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Zwar verwendeten einzelne Autohersteller bereits seit den 1990ern verschiedene Profile aus Aluminiumguss. Allerdings waren diese Applikationen im Vergleich mit traditionellen Herstellungsmethoden von nachrangiger Bedeutung. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Noch bis weit in dieses Jahrtausend hinein musste an hinreichend flexiblen, bruchfesten, dennoch steifen Legierungen geforscht werden und gerade bez\u00fcglich Aluminium an der n\u00f6tigen geringen Materialdicke. Denn Gusseisen ist f\u00fcr diese Anwendungen nahezu v\u00f6llig ungeeignet, Stahlguss hingegen sehr schwierig zu gie\u00dfen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Materialforschung im Bereich derart gro\u00dfer Gussst\u00fccke, die solche physikalischen Eigenschaften leisten m\u00fcssen, ben\u00f6tigte ebenfalls eine gewisse Zeit zur Vollendung.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Gie\u00dfen derart gro\u00dfer Teile, die jedoch gleichsam sehr d\u00fcnn sind, ist produktionstechnisch extrem schwierig. Da das Material so weite Strecken flie\u00dfen muss, bestehen enorme Risiken f\u00fcr sogenannten Kaltlauf (Material erstarrt im Fluss und wird durch nachfolgendes Material nicht mehr aufgeschmolzen) und Lunker (Hohlr\u00e4ume und Einsenkungen, u. a. durch Materialschrumpfung beim Abk\u00fchlen).<\/li>\n\n\n\n<li>F\u00fcr Gie\u00dfanlagen dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung und Leistungsf\u00e4higkeit sind betr\u00e4chtliche Investitionssummen zu t\u00e4tigen.<\/li>\n\n\n\n<li>Im Gegensatz zu den klassischen Blechpr\u00e4geverfahren steigen die technischen Anspr\u00fcche beim Gie\u00dfen mit der Gr\u00f6\u00dfe der ben\u00f6tigten Bauteile stark an.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-4-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1157\" srcset=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-4-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-4-300x200.jpeg 300w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-4-768x512.jpeg 768w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-4-1536x1025.jpeg 1536w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-4.jpeg 1619w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Wie schon h\u00e4ufiger in der Geschichte des Automobilbaus, brauchte es eine \u201emutige\u201c Firma, die voranschritt. Im Fall von Megacasting war es E-Auto-Pionier Tesla. 2018 beantragte das Unternehmen&nbsp;<a href=\"https:\/\/patents.google.com\/patent\/US20190127824A1\/en\">ein US-Patent<\/a>&nbsp;mit einer Beschreibung, um Aluminium f\u00fcr hochperformante Anwendungen zu gie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei spricht man mittlerweile von Mega- oder Gigacasting, wenn die eingesetzten Maschinen es auf eine sogenannte Schlie\u00dfkraft (gemeint sind die beim Druckgie\u00dfen auftretenden Kr\u00e4fte) von mehr als zirka 4.500 Tonnen bringen. Sie ist n\u00f6tig, um das Aluminium in weit entfernte Bereiche zu dr\u00fccken und die Ausbildung von Lunkern zu unterbinden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group digression-box\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Exkurs: <strong>Druckgussverfahren<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Der Druckguss ist eines von vielen m\u00f6glichen Verfahren, um aus fl\u00fcssigen Metallschmelzen komplexe Bauteile zu gie\u00dfen. Das Besondere hieran ist der enorme Druck. Wo bei anderen Verfahren mitunter nur die Schwerkraft genutzt wird, sprechen wir bei typischen Druckgussverfahren von einigen Millionen Pascal.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Druck hat einen dreifachen Effekt:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Er erm\u00f6glicht es, selbst sehr komplexe Formen herzustellen, weil die Schmelze sogar gegen die Schwerkraft flie\u00dfen kann.<\/li>\n\n\n\n<li>Indem die Schmelze eine hohe Flie\u00dfgeschwindigkeit erreicht, kann sie gro\u00dfe Distanzen \u00fcberwinden, bevor es zu Kaltlauf kommt.<\/li>\n\n\n\n<li>Da der Druck bis zur vollst\u00e4ndigen Aush\u00e4rtung aufrechterhalten werden kann, ist die Gefahr f\u00fcr Lunker deutlich reduziert.<\/li>\n<\/ol>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine Technik der Extreme und rasanter Erfolge<\/h2>\n\n\n\n<p>Als Tesla in der Gr\u00fcnheide Ende 2020 die erste Megacasting-Anlage errichtete, brauchte es daf\u00fcr zwei Dutzend Schwertransporter. Die von einem italienischen Maschinenbauer stammende Anlage bringt es auf mehr als 400 Tonnen Leermasse, 20 Meter L\u00e4nge und eine H\u00f6he vergleichbar mit einem Einfamilienhaus. Das Aluminium wird darin mit mehreren tausend Tonnen Druck buchst\u00e4blich \u201eeingeschossen\u201c. \u00dcber 10 Meter \u00fcberwindet die Schmelze so pro Sekunde. Genug, um damit den gesamten Heckrahmen des Tesla Model Y zu fabrizieren \u2013 etwa einer alle knapp anderthalb Minuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie schon h\u00e4ufiger, wenn Tesla (oder ein anderes Unternehmen) mit althergebrachten Konventionen brach, gab es auch beim Megacasting von Karosseriebauteilen eine Reaktion der etablierten Automobil- und Karosseriefertiger: Dem Konventionsbruch standen sie kritisch bis abwartend gegen\u00fcber und wurden Anlaufschwierigkeiten oft f\u00e4lschlicherweise als Nachweis f\u00fcr eine nicht praxistaugliche Technik herangezogen. Der Grund f\u00fcr diese Haltung: Die technischen Herausforderungen waren in der Branche hinreichend bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute (August 2024) l\u00e4sst sich dagegen feststellen: Die Zweifel sind beseitigt. Unter anderem<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Audi,<\/li>\n\n\n\n<li>BMW,<\/li>\n\n\n\n<li>Ford,<\/li>\n\n\n\n<li>Hyundai,<\/li>\n\n\n\n<li>Nissan,<\/li>\n\n\n\n<li>Toyota und<\/li>\n\n\n\n<li>Volvo<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>haben entweder ebenfalls schon Megacasting-Fertigungsstrecken aufgezogen, bauen sie derzeit auf oder erforschen die f\u00fcr sie praktikabelsten Anwendungen und Umsetzungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hierbei muss man ebenfalls das f\u00fcr industrielle Verh\u00e4ltnisse enorme Tempo anerkennen. Schlie\u00dflich ist es eine tiefgreifende Ver\u00e4nderung in einem der wichtigsten Prozesse der Fahrzeugfertigung. Es dauerte Jahrzehnte, um die bisherigen Fertigungsstrecken mit ihren Stanz-, Press- und F\u00fcgeanlagen zu gestalten und zu derart hochtechnisierten Kunstwerken einer rationalen Fertigung zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anfang 2021 liefen die ersten Tesla-Teile aus der Druckgussanlage. Kurz darauf bestellte das Unternehmen noch gr\u00f6\u00dfere Pressen f\u00fcr die Karosse des Cybertrucks. Aktuell sprechen selbst zur\u00fcckhaltende Experten davon, schon bald In-the-White-Karosserien aus nur drei oder gar zwei Baugruppen zu fertigen. Kaum ein anderer Paradigmenwechsel im Kfz-Bau ben\u00f6tigte so wenig Zeit, um sich zu etablieren. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind naheliegend:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schnell und rational: Die St\u00e4rken des Megacastings<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-5-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1155\" srcset=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-5-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-5-300x200.jpeg 300w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-5-768x512.jpeg 768w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-5-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-5.jpeg 1620w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein ganzer PKW-Heckrahmen, einbaufertig, alle 1 Minute 20 Sekunden. 45 St\u00fcck in einer Stunde, 1.080 pro Tag, 32.400 pro Monat. Diese Zahlen zeigen sehr eindr\u00fccklich, warum in der Welt der Autohersteller derzeit ein regelrechter Druckguss-Boom ausgebrochen ist. Doch es sind nicht nur die hohen m\u00f6glichen St\u00fcckzahlen pro Zeiteinheit, die f\u00fcr das Megacasting sprechen. Es ist au\u00dferdem Folgendes:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Es lassen sich damit \u00e4u\u00dferst komplexe Formgebungen darstellen. Das er\u00f6ffnet nicht nur den Automobildesignern, sondern auch den Entwicklern in Sachen Crashsicherheit v\u00f6llig andere M\u00f6glichkeiten. Zudem verringert sich das Gewicht.<\/li>\n\n\n\n<li>Da es keine einzelnen Verbindungspunkte innerhalb eines gro\u00dfen Bauteils gibt, verl\u00e4uft die Ein- und Ableitung von Kr\u00e4ften hier v\u00f6llig anders. Flaschenh\u00e4lse, wie sie etwa durch Schwei\u00dfpunkte entstehen, existieren nicht. Solche Mono-Strukturen k\u00f6nnen daher Lasten besser verteilen. Das macht sie fester \u2013 und erh\u00f6ht u. a. die Crashsicherheit der Insassen.<\/li>\n\n\n\n<li>Da so viele Kontaktpunkte wegfallen und au\u00dferdem das nichtrostende Aluminium genutzt wird, werden einige der wichtigsten Ansatzpunkte f\u00fcr Korrosionsprobleme vollst\u00e4ndig eliminiert.<\/li>\n\n\n\n<li>Aufgrund der komplexen m\u00f6glichen Formgebung und den Eigenschaften von Guss-Aluminium k\u00f6nnen extrem steife Monocoques entstehen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die gesamte Herstellung der Teile, aus denen gr\u00f6\u00dfere Karosseriekomponenten hergestellt werden, f\u00e4llt ersatzlos weg \u2013 mitunter bis zu 100 Einzelteile f\u00fcr eine gro\u00dfe Baugruppe.<\/li>\n\n\n\n<li>Ebenso werden alle Arbeitsschritte \u00fcberfl\u00fcssig, um diese kleinen Teile und daraus bestehende gr\u00f6\u00dfere Komponenten zusammensetzen.<\/li>\n\n\n\n<li>Beides gilt f\u00fcr die Arbeit an sich genauso wie f\u00fcr die dahinterstehenden Maschinen, deren Anschaffungskosten sowie Zeit und Aufwand f\u00fcr Wartung und Reparatur.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Mit anderen Worten: Megacasting kann eine bislang sehr kleinteilige, komplex getaktete Prozesskette radikal vereinfachen \u2013 bis an einen Punkt, an dem lediglich eine vorberechnete Menge fl\u00fcssige Aluminiumlegierung unter hohem Druck in eine zweiteilige Form eingeschossen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Offizielle Zahlen sind schwer zu finden, allerdings kursieren allein Kosteneinsparungen im niedrig zweistelligen Prozentbereich. Diese wegfallenden Kosten k\u00f6nnten insbesondere die nach wie vor recht teuren Elektroautos g\u00fcnstiger machen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schwierig zu handhaben und teuer zu reparieren: Die Schw\u00e4chen des Megacastings<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-6-1024x684.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1153\" srcset=\"https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-6-1024x684.jpeg 1024w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-6-300x200.jpeg 300w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-6-768x513.jpeg 768w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-6-1536x1025.jpeg 1536w, https:\/\/dorp.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/80792-Bild-6.jpeg 1618w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Wie viele Zuliefererfirmen und Arbeitspl\u00e4tze global mit der traditionellen Karosseriefertigung verkn\u00fcpft sind, l\u00e4sst sich nur sch\u00e4tzen. Rechnet man jedoch die Walzwerke der Bleche hinzu, die Hersteller der Schwei\u00dfroboter, Stanz- und Pressmaschinen sowie alle daran beteiligten Arbeitskr\u00e4fte, zeigt sich rasch, welche wirtschaftlichen Verwerfungen das Megacasting hervorrufen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist zwar kein einzigartiger Effekt dieses Gro\u00dfbauteil-Druckgusses. S\u00e4mtliche vorherigen Rationalisierungsma\u00dfnahmen in der Blech-Karosseriefertigung hatten \u00e4hnliche Auswirkungen. Allerdings kann das Gie\u00dfen verschiedene weitere, eigenst\u00e4ndige Schw\u00e4chen anf\u00fchren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Je gr\u00f6\u00dfer das Bauteil, desto schwieriger ist nach wie vor die technische Herangehensweise. Allein die Gestaltung der Form, die Art der Einspritzung sowie die M\u00f6glichkeiten zur Bauteilentnahme und einer verzugsfreien Ausk\u00fchlung bzw. Nachbehandlung sind ingenieurswissenschaftlich \u00e4u\u00dferst herausfordernd. Einen besonders gro\u00dfen Stellenwert haben deshalb vorherige umfassende Simulationen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die n\u00f6tigen Druckgussanlagen sind aufgrund ihrer Ausma\u00dfe und Komplexit\u00e4t sehr kostspielige Investitionen. L\u00e4ngst nicht jedes Unternehmen kann sich derartige Assets ohne Schwierigkeiten leisten \u2013 selbst wenn man die Einsparm\u00f6glichkeiten mit einkalkuliert.<\/li>\n\n\n\n<li>Eine Umr\u00fcstung der bis zu 100 Tonnen schweren Druckgussformen ist sehr teuer und aufwendig. Daher wird die M\u00f6glichkeit reduziert, innerhalb einer Produktionsserie verschiedene Formen anzubieten. Darunter kann die Vielfalt innerhalb eines Fahrzeugmodells leiden.<\/li>\n\n\n\n<li>Je gr\u00f6\u00dfer die Teile sind, desto komplizierter werden Unfallreparaturen. Wo es bei traditionellen Methoden oft gen\u00fcgt, einige Teile einer Baugruppe herauszutrennen und neue Elemente einzusetzen, muss beim Megacasting die komplette Baugruppe ersetzt werden. Ein klassisches Herausziehen von Sch\u00e4den wie bei gewalzten Stahlblechen ist in der Regel ebenfalls nicht m\u00f6glich, da Guss-Aluminium bei \u00dcberbeanspruchung eher bricht bzw. rei\u00dft. Das kann jeden Fahrzeughalter bereits durch erh\u00f6hte Versicherungspr\u00e4mien treffen. Im Schadfall ist zudem rasch die Grenze zum wirtschaftlichen Totalschaden erreicht.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Vor allem der letztgenannte Punkt ist schwerwiegend. Verschiedene Kritiker nutzen f\u00fcr Megacasting-Fahrzeuge Begriffe wie \u201eWegwerfauto\u201c oder \u201eEinwegfahrzeug\u201c. Hier werden erst die kommenden Jahre zeigen k\u00f6nnen, ob die Unfallreparatur von Guss-Karossen tats\u00e4chlich prohibitiv teuer wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Was allerdings den Begriff des Einwegfahrzeugs anbelangt, ist dieser v\u00f6llig falsch. \u00c4hnlich wie Komponenten aus Blech k\u00f6nnen die Aluminium-Gussteile immer wieder und wieder ohne nennenswerte Material- und Qualit\u00e4tsverluste eingeschmolzen und recycelt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bildquellen:<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bild 1: stock.adobe.com \u00a9&nbsp;<a href=\"https:\/\/stock.adobe.com\/de\/images\/side-view-of-production-sedan-car-stainless-steel-or-aluminium-body-and-chassis-frame-metallic-vehicle-framing-base-isolated-against-black-background-with-reflections-3d-rendering-illustration\/320739090?prev_url=detail\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">creativeneko<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bild 2: stock.adobe.com \u00a9&nbsp;<a href=\"https:\/\/stock.adobe.com\/de\/images\/spare-parts-in-a-car-plant\/532804365\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nataliya Hora<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bild 3: stock.adobe.com \u00a9&nbsp;<a href=\"https:\/\/stock.adobe.com\/de\/images\/%E5%83%8D%E3%81%8F%E8%BB%8A\/189815575\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">beeboys<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bild 4: stock.adobe.com \u00a9&nbsp;<a href=\"https:\/\/stock.adobe.com\/de\/images\/aluminum-alloy-cove-crankcase-engine-part-for-automobile-or-vehicle-before-machining-made-from-high-pressure-die-casting-process-on-table\/248926587\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Surasak<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bild 5: stock.adobe.com \u00a9&nbsp;<a href=\"https:\/\/stock.adobe.com\/de\/images\/roboter-in-der-schweisserei-eines-auto-herstellers\/125594407\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">vizualni<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bild 6: stock.adobe.com \u00a9&nbsp;<a href=\"https:\/\/stock.adobe.com\/de\/images\/repairman-welding-metal-body-car\/55378245?prev_url=detail\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kadmy<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mega- und Gigacasting: Weniger Teile, effizientere Produktion \u2013 doch was sind die Nachteile? 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